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Leichtmaterial am Berg

bergpunkt, Februar 2026

Wie wenig Gewicht wirklich sinnvoll ist: Zwischen Komfort, Sicherheit und Leistungsreserve

Weniger Gewicht bedeutet mehr Reserven. Jedes eingesparte Gramm im Rucksack macht sich im Aufstieg und natürlich auch in der Abfahrt bemerkbar. Kein Wunder also, dass Leichtmaterial längst nicht mehr nur im ambitionierten Alpinismus, sondern auch auf klassischen Hochtouren und Skitouren angekommen ist.
Doch leicht ist nicht automatisch besser. Denn dort, wo Sicherheit gefragt ist, haben Kompromisse wenig Platz. Steigeisen, Pickel oder Lawinenausrüstung müssen in entscheidenden Momenten zuverlässig funktionieren – auch dann, wenn der Untergrund hart oder das Gelände steil ist.
In diesem Beitrag zeigen wir dir, wo Leichtmaterial sinnvoll ist, wo klassische Ausrüstung klar im Vorteil bleibt und wie du die richtige Balance zwischen Gewicht, Funktion und Sicherheit findest. Keine Dogmen, sondern praxisnahe Faustregeln aus der bergführerischen Erfahrung.

Steigeisen

Nach ihrer Erfindung erwogen Alpinisten, sie als «unfair means» zu verbieten. Heute ist Bergsport ohne sie nicht mehr denkbar: die Steigeisen. Wie bei allem zählt auch hier das Gewicht, insbesondere, da sie oft schwer wie ein Ziegelstein im Rucksack liegen.
Seit vielen Jahren gibt es Aluminium-Steigeisen und in den letzten Jahren sind zusätzlich Hybrid-Steigeisen immer beliebter geworden. Doch welches Steigeisen nehmen wir wann mit? Für eine gute Auswahl an Steigeisen aller Art empfehlen wir gerne Bächli Bergsport.
Hier ein paar Faustregeln: Je weniger Zacken, desto weniger Halt bietet ein Steigeisen und je leichter die Bauweise, desto eher hält ein Eisen mal nicht optimal am Schuh; ebenso ist der Verschleiss eines Aluminiumsteigeisens im Fels höher. Umgekehrt heisst weniger Gewicht im Rucksack: Mehr Leistungsreserve im Aufstieg und Komfort in der Abfahrt. Gerade hybride Steigeisen sind sehr klein verpackbar.
Unsere Empfehlung: Brauchst du ein Steigeisen nicht zwingend oder nutzt dieses nur für einen kurzen Gipfelaufstieg im Schnee, erwartet dich zudem kein Blankeis und sehr wenig bis kein Fels, ist ein leichtes Modell sinnvoll. In allen anderen Situationen gehört – so sorry! – ein klassischer Zwölfzack aus Stahl in den Rucksack. Damit dieser dennoch nicht zu schwer wird: Hier geht es zum optimalen Rucksackpacken mit bergpunkt-Bergführer Daniel Silbernagel.

Hochtourengurt

Was immer gilt, stimmt für Hochtouren noch mehr: Je leichter das Material, desto angenehmer. Denn lang sind die Aufstiege im Sommer und oft noch länger die Abstiege. Nicht bei allem lassen sich indes Gramme sparen; Steigeisen und Pickel für anspruchsvolles Gelände haben ihr Gewicht. Doch beim Hochtourengurt gilt meist: «Light is right.» Zwar bieten leichte Hochtourengurte weniger Sitzkomfort und weniger oder keine Materialschlaufen. Doch auf vielen Hochtouren können wir getrost genau darauf verzichten!

Lawinensonde / Schaufel

Wer sich abseits der Pisten bewegt, sollte sie immer dabeihaben, denn sie gehören zur Standardausrüstung und retten im Ernstfall Leben. Doch ihr Gewicht variiert je nach Material beträchtlich. Deshalb ein paar Infos und Tipps dazu.
Lawinensonden gibt es in verschiedenen Längen – meist zwischen 240 und 320 cm – aus Aluminium oder Carbon. Während Aluminium robust und günstiger ist, wiegt Carbon deutlich weniger. Der Nachteil von Carbon: Bei hoher Belastung bricht es eher, während sich Aluminium bei Überlastung zuerst verbiegt.
Schaufeln bestehen meist aus Aluminium; Modelle aus Kunststoff sind zwar leichter, versagen jedoch rasch bei hartem Schnee. Ein guter Griff, der auch mit Handschuhen gut zu greifen ist, unterstützt zudem effizientes Schaufeln.
Fazit: Bei Lawinenausrüstung gilt aus unserer Sicht die Devise «Kondition statt Carbon». Greife nicht zu Kompromissen. Und genauso wichtig: Kenne dein Material. Bei einem Unfall ermöglicht dir dies, Schaufel und Sonde trotz Stress rasch und korrekt anzuwenden.

Eispickel

Als Nachfahre des Gehstocks diente er anfänglich vor allem dazu, das Gehen zu unterstützen und im Eis Stufen zu schlagen. Insbesondere bevor Steigeisen zum neusten Hit wurden. Mit dem Lauf der Zeit wurde er dann immer kürzer und heute existiert er in diversen Ausprägungen.
Viele Hochtouren und Gipfel sind überhaupt nur dank eines Eispickels machbar. Und wie bei der restlichen Ausrüstung gilt auch hier: Aufs Gewicht kommt es an. Für den Schaft kommen heute Materialien wie Aluminium oder Carbon zum Zug, die Haue ist meist aus Stahl. Unterschiedlich kombiniert und abhängig von Stärke, Form und Grösse sind Pickel leichter oder schwerer sowie mehr oder weniger robust.
Als Faustregel gilt: Je leichter der Pickel, desto weniger gut dringt die Haue in den Schnee oder ins Eis ein. Je steiler das Gelände, desto «aggressiver» – gebogener Schaft, guter Griff, scharfe Haue – soll ein Pickel sein.
Unsere Empfehlung: Einen leichten Aluminiumpickel nimmst du mit für Skihochtouren oder Hochtouren mit grossen, flachen Passagen und wenigen, mässig steilen Abschnitten; ist das Gelände schwieriger oder anhaltend steil, wirst du hingegen froh sein um einen «richtigen» Eispickel.

Leichtmaterial ist kein Selbstzweck. Es hilft dort, wo es Reserven schafft, körperlich wie mental. Gleichzeitig gibt es Ausrüstungsteile, bei denen Robustheit und Stabililtät wichtiger sind als jedes gesparte Gramm.
Unsere Empfehlung ist deshalb simpel: Spare Gewicht dort, wo du es dir leisten kannst. Wer sein Equipment kennt, es passend auswählt und gezielt einsetzt, ist nicht nur leichter unterwegs – sondern vor allem sicherer. Denn am Ende zählt nicht, wie schwer dein Rucksack ist, sondern wie gut du mit dem unterwegs bist, was darin steckt.