
All Terrain Animal
All Terrain Animal - Bergführer Tim Marklowski Unterwegs am Berg, am Fels und im Meer
bergpunkt und Tim Marklowski, Juli 2026
Wie ein Steinbock am Hang entlang. Wie ein Delphin durch die Dünung. Wie ein Gecko die glatte Felswand empor.
Manche Träume sind nicht dazu gemacht, vollständig wahr zu werden, aber genau deshalb lohnt es sich, ihnen ein Stück näherzukommen. Für unseren Partnerbergführer Tim Marklowski heisst dieser Traum All Terrain Animal (ATA): sich mühelos und leicht in jedem Gelände zu bewegen, an Land wie im Wasser, auf Fels, Schnee oder im offenen Meer. Kein Ziel, das man je ganz erreicht. aber eines, das sich leben lässt, Projekt für Projekt.
Sein bisher ehrgeizigstes Kapitel hat Tim diesen Herbst geschrieben: Vom nördlichsten Punkt Korsikas fuhr er mit dem Rennvelo an den Start des legendären Weitwanderwegs GR20, den er in gerade einmal fünf statt der üblichen 15 Tage durchquerte – 180 km und 13'000 Höhenmeter auf technisch anspruchsvollem Terrain. Weiter ging es mit dem Velo bis nach Bonifacio, von wo aus er die 13 Kilometer offenes Meer zwischen Korsika und Sardinien in gut vier Stunden durchschwamm. Nach ein paar weiteren Kilometern im Sattel wartete der Selvaggio Blu – eines der anspruchsvollsten Trekkings Europas –, den Tim in nur zwei statt fünf Tagen bewältigte, bevor er die letzte Etappe mit dem Velo bis zum südlichsten Strand Sardiniens zurücklegte. Total: rund 900 Kilometer und 25'000 Höhenmeter in 12 Tagen Bewegungszeit. Alles «by fair means», aus eigener Kraft, ohne Motor und ohne Umwege. Was bleibt, ist die pure Freude eines Menschen, der einem Kindheitstraum ein Stück nähergekommen ist.
Steinbock, Delphin und Gecko hat sich Tim also «by fair means» verdient. Ein Tier hat er sich aber ganz von selbst dazuverdient: den Spassvogel. Denn seinen Bericht über die Tour hat er mit einer gehörigen Portion Ironie verfasst. Der tyrannische Chef, die «moderne Sklaverei», der Materialkeller als Drohkulisse: Das ist alles künstlerische Freiheit und Galgenhumor eines Bergführers, der gerade zwei der härtesten Trails Europas hinter sich gebracht hat. Viel Spass beim Lesen!
«Moderne Sklaverei!»: Bergpunkt-Partnerbergführer legt skandalöse Arbeitsbedingungen offen.
Da stand ich nun am Südende Korsikas, fix und fertig, physisch wie psychisch. Und dann diese Hiobsbotschaft: «Nein, Tim, die Fähre liegt nicht drin, du weisst, wir müssen sparen, stell dich nicht so an».
Alexander Pohl, allseits und zu Unrecht beliebter Geschäftsführer von Bergpunkt teilte mir das mit der gleichen unverschämten Non-Chalance mit, mit der er mich eine Woche zuvor gen Mittelmeer entsandt hatte. «Tim, wir haben nächstes Jahr mit GR20 auf Korsika und Selvaggio Blu auf Sardinien zwei absolute Legenden im Programm. Wir brauchen dringend jemanden, der rekognoszieren geht». Also gut, dachte ich, warum nicht einen bezahlten Monat wandernd und schlemmend auf Korsika und Sardinien verbringen, besser geht’s doch kaum in der Zwischensaison. Im Gespräch mit Pohl wurde ich schnell auf den Boden der Tatsachen geholt. Um Kosten zu sparen hätte ich für den ganzen Reko-Trip nur zwei Wochen Zeit, so der Chef. Alles, was länger dauert, geht auf eigene Rechnung und bezahlt wird sowieso nichts. Noch bevor ich mich empören konnte, wurde ich mit einer Argumentationssalve niedergemäht: «Tim, du bist gerade erst frisch Partner geworden, ich diskutiere da nicht. Jeder von uns muss seinen Beitrag leisten, und das ist jetzt deiner. Bergpunkt heisst, füreinander in die Bresche springen. Du hast einen Vertrag unterzeichnet!»
Eingeschüchtert machte ich mich also auf gen Mittelmeer. Auf Korsika angekommen pedalierte ich – ohne auch nur einen Schluck des köstlichen Kastanienbiers genossen zu haben – sofort los. Von der Nordspitze der Insel ging es schweisstreibend der Steilküste entlang zum Start des berüchtigten GR20. Für diesen hatte der Chef knausrige fünf statt der üblichen 15 Tage veranschlagt, «gsundi Bei hesch ja», lachte er hämisch, «wed das nid vermagsch bisch eh Bergpunkt nid würdig». Von der Angst beflügelt, den Partnertitel schneller wieder entzogen zu bekommen, als ich «Spontantour» sagen kann, rannte ich also in fünf Tagen und im engen Running-Hösli über den technisch herausfordernden Trail. Nach 180km und 12000 Höhenmetern erreichte ich Conca in einem Zustand des Wachkomas und mit Blasen an den Füssen, in welche ein Kängurubaby gepasst hätte.
Surprise! Hier wartete wieder mein Rennvelo auf mich, Pohl hatte es dort deponieren lassen, mit der Nachricht, ich sollte nun endlich mal Gas geben.
Angekommen am Südende der Insel, am Fährhafen von Bonifacio dann das: In seinem Sparwahn hat Pohl keine Fähre für die Überfahrt nach Sardinien gebucht «Die 13 km wird ein Bergpunktpartner ja wohl noch schwimmen können, dafür schmeissen wir sicher kein Geld raus. Schwimm’ oder du verbringst deinen nächsten Sommer im Winterthurer Materialkeller», hiess es kaltblütig.
Die Angst in Winterthur unter Tage Steigeisen zu schleifen, übertraf die vor Haien und Quallen und so stach ich mit mulmigem Gefühl in See. Von Wellen gebeutelt und von Quallen zerstochen zog ich mich schliesslich, nach gefühlter Ewigkeit im offenen Meer, wie ein Schiffbrüchiger die Klippen Sardiniens empor. Mit vom Salzwasser aufgedunsenen Gesicht und von Seekrankheit entleertem Magen, fiel ich auf einem Felsplateu in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
Als ich zu mir kam, stand neben mir mein Rennvelo mit einer Botschaft im Bergpunkt-Design an den Sattel geheftet: «Mach weiter, Tim, enttäusch’ uns nicht» stand dort in grossen Lettern, darunter ein Gruppenfoto der grimmigen Bergpunkt-Partner, alle mit verschränkten Armen die Kamera (also mich) fixierend.
Der Rest der Reko-Tour muss in einer Art Trance stattgefunden haben, denn ich erinnere mich nur sehr vage. Die Auswertung des GPS, welches Pohl zur Überwachung in mein Bergpunkt-Shirt eingenäht hatte, zeichnet folgendes Bild: Ich war in einem weiteren Tag bis nach Pedra Longa geradelt, dem Start des legendären Selvaggio Blu. Diesen durchrannte ich, bei zermürbenden 30 Grad in nur zwei statt den üblichen fünf Tagen, denn Pohl machte weiterhin Druck. In der wunderbaren Cala Sisine angekommen, nahm ich zunächst KEIN erfrischendes Bad, denn die Zeit drängte. In einem weiteren Tag mit gut 230 km im Sattel erreichte ich den südlichsten Strand Sardiniens, die Spiaggia Su Giudeu, brach an der Wasserkante zusammen und schloss damit die Mission ab.
Glaubt mir: unter normalen Bedingungen werden GR20 und Selvaggio Blu zum Schönsten gehören, was ihr je unter die Füsse nehmt.
Euer Tim
Ernsthaftere Berichte über dieses Abenteuer und einige Bilder findet ihr hier
Bilder: Tim Marklowski
Du möchtest das Abenteuer erleben?
Keine Sorgen: Wenn du nach dieser Geschichte selbst Lust auf Korsika oder Sardinien bekommen hast, musst du nicht gleich GR20 und Selvaggio Blu in einem Rutsch bezwingen.
Aktuell im Angebot findest du das Abenteuertrekking "Selvaggio Blu" auf Sardinien oder Kletterferien auf Korsika.